Der belgische Tiefkühlkonzern Ardo hält trotz zweier Krisengespräche mit Bund und Land an der Werksschließung seines Standorts in Groß-Enzersdorf fest. Die Schließung soll Mitte 2027 abgeschlossen sein. Unmittelbar betroffen sind 190 Beschäftigte des Werks.
Was die Schließung für Beschäftigte und Zulieferer bedeutet
Nach der aktuellen Ernte soll die Verarbeitung im Werk schrittweise auslaufen, bevor Ardo Österreich endgültig verlässt. Die Produktionsanlagen wandern an einen anderen Unternehmensstandort in Europa, in Österreich bleibt nur noch der Vertrieb bestehen. Zusätzlich zur Stammbelegschaft sind 50 Leiharbeitskräfte betroffen.
Neben der Stammbelegschaft bangen auch die Lieferanten um ihre Existenz: Ardo verarbeitete 2025 in Niederösterreich Erzeugnisse von rund 270 Bauern, die Erzeugerorganisation ETG zählt insgesamt 500 Mitgliedsbetriebe. Das Werk belieferte bislang Iglo sowie die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar.
Warum Ardo Hilfsangebote und einen Verkauf ablehnt
Das Unternehmen begründet die Ablehnung der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Unterstützung damit, dass sie einer rechtlichen Prüfung durch die Europäische Kommission nicht standhalten würde. Subventionen für einen strukturell unrentablen Betrieb seien keine nachhaltige Lösung, erklärt Ardo.
Auch einen Verkauf schließt der Konzern aus, obwohl laut eigenen Angaben heimische Investoren Interesse bekundet hatten. Ardo verweist auf die schwächere Kostenposition des Standorts gegenüber Werken in Mittel- und Osteuropa und geht davon aus, dass auch ein neuer Eigentümer das Werk nicht in die Gewinnzone führen könnte.
Regierungsvertreter zeigen sich verwundert über dieses Vorgehen. Landesvize Pernkopf wirft dem Ardo-Management vor, keinen Millimeter auf die Unterstützungsangebote eingegangen zu sein. Landwirtschaftskammer-Vertreter Lorenz Mayr spricht von einem Schlag gegen die österreichische Lebensmittelproduktion.
Diese Zahlen stehen hinter der Entscheidung
Eine Modernisierung des Werks hätte laut Ardo Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro erfordert. Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV) ordnet die Schließung in einen größeren Branchentrend ein: Vier Handelskonzerne decken demnach über 90 % des täglichen Haushaltsbedarfs ab, heimische Qualitätsstandards führten zu deutlich höheren Produktionskosten als im Ausland.
Wie es für Landwirte und Handelspartner weitergeht
Ardo kündigte die Schließung des Standorts bereits Ende September an. Das Unternehmen will sich nun auf einen ausgewogenen Sozialplan für die Belegschaft konzentrieren und signalisiert Gesprächsbereitschaft mit der ETG sowie mit Regierungsvertretern, um den Übergang für die Landwirte abzufedern.
Für einen Teil der Lieferbeziehungen zeichnet sich bereits eine Lösung ab: Schneider’s Gemüseland übernimmt ab Sommer 2027 weitere Tiefkühlgemüseprodukte aus dem Marchfeld für die Handelskette Spar. Der Betrieb produziert aktuell bereits rund 20 Produkte für Spar, fünf weitere sind für die Übernahme fixiert.
Politiker wie Udo Landbauer fordern von der Bundesregierung günstigere Energiepreise, weniger Bürokratie und neue Investitionsanreize, um weitere Betriebsschließungen zu verhindern. Für die Beschäftigten in Groß-Enzersdorf und die betroffenen Bauernfamilien bleibt vorerst nur der Sozialplan als konkrete Zusage.