Wien liegt im Greenpeace-Ranking Wien zum Ausstieg aus fossilem Gas auf Platz drei von 15 untersuchten europäischen Hauptstädten. Vor der Stadt rangieren nur Stockholm und Paris. Wien hat die Greenpeace-Deklaration zum Gasausstieg unterzeichnet und will fossiles Gas bis 2040 aus Heizung und Kühlung verbannen.

Platz drei im Ranking

Im Gesamtergebnis erreicht Wien 81,4 von 100 Punkten. Spitzenreiter Stockholm kommt auf 91,8 Punkte, begründet durch einen sehr niedrigen Anteil fossiler Brennstoffe in Gebäuden. Paris folgt mit 83,5 Punkten auf Platz zwei. Berlin, Budapest und Prag weisen laut dem Ranking nur unvollständige Ausstiegsstrategien auf. Rom, Athen und Bukarest bilden das Schlusslicht, dort fehlt eine gesamtstädtische Planung bei hoher fossiler Abhängigkeit.

Stärken und Schwächen

In den Kategorien Politik sowie Governance und Finanzen erreicht Wien jeweils die volle Punktzahl von 100. Bei Emissionen und Ergebnissen fällt die Bewertung mit 60 Punkten niedriger aus. Grund dafür ist die Wiener Fernwärme: Sie hängt zu über der Hälfte, rund 60 %, von fossilem Erdgas ab. Ein Drittel der Wärme stammt aus thermischer Abfallverwertung. Die Studienmethodik bewertet Fernwärmesysteme mit hohem Müllverbrennungsanteil niedriger, was sich auf Wiens Punktzahl in dieser Kategorie auswirkt.

Wiens Klimabilanz

Die Stadt verweist auf eine langjährige Entwicklung: Seit 2005 ist die Bevölkerung um 23 % gewachsen, während der Gesamtenergieverbrauch im selben Zeitraum um 20 % sank. Der Pro-Kopf-Energieverbrauch ging um gut ein Drittel zurück, die Treibhausgasemissionen sanken um mehr als ein Drittel. Wien startete sein erstes Klimaschutzprogramm bereits 1999 und hat Klimaschutz mittlerweile in einem eigenen Klimagesetz verankert. Aktuell laufen Programme wie der Wärmeplan 2040 und das Projekt „Raus aus Gas“, bei denen Heizungen getauscht und erneuerbare Energien ausgebaut werden.

Kritik an Tempo

Greenpeace bewertet Wiens Plan zwar als ambitioniert, bemängelt aber das Tempo der Umsetzung. Die Organisation fordert einen rechtlich bindenden Gas-Stilllegungsplan für Bestandsgebäude mit festem Enddatum, eine geordnete Demontage des Gasnetzes sowie höhere städtische Fördermittel für Sanierung und Heizungstausch. Greenpeace-Sprecherin Jasmin Duregger betont, dass gute Pläne allein nicht ausreichen und es auf die konsequente Umsetzung ankomme. Grünen-Sprecher Peter Kraus rechnet vor, dass beim aktuellen Tempo über fünfzig Jahre vergehen würden, bis alle Wiener Haushalte auf nachhaltige Heizsysteme umgestiegen sind; diese Berechnung gilt als unbestätigte Schätzung. Die Umweltorganisation Global 2000 fordert zusätzlich bundesweite Gesetze, da verbindliche Pläne zur Gasnetzstilllegung bislang rechtlich nicht abgesichert seien.

Reaktionen aus Wien

Bürgermeister Michael Ludwig sieht das Ranking als Bestätigung des bisherigen Wiener Klimawegs. Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky bekräftigt, dass der Gasausstieg für eine leistbare und klimafreundliche Wärmeversorgung notwendig sei. Die Studie, auf der das Ranking beruht, nutzt harmonisierte EU-Emissionsdaten und orientiert sich an OECD-Leitlinien, wendet dabei aber eigene Bewertungskriterien der Organisation an.

Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.